30 Jan

Erfahrungsbericht über die Tagung Good Food Good Farming und dem Initiativtreffen zur Gründung eines Ernährungsrates in Stuttgart

Darf’s noch etwas mehr sein oder ist es auch mal genug?

Unter diesem Motto fand am 27.10.2018 eine Tagung im Hospitalhof in Stuttgart im Rahmen des europäischen Aktionstages „Good Food Good Farming statt.

Organisiert wurde die Tagung von Slow Food Stuttgart und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Angefangen wurde mit einem Rundumschlag von Vincent Klink, dem Betreiber der Wielandshöhe und seinem Plädoyer für eine neue Ernährungskultur.

Ausgeteilt wurde gegen die 10.000 Lobbyisten, die in Brüssel täglich die Politik im Sinne der Konzerne beeinflussen aber auch die frustriert dreinschauenden Fahrgäste in einer morgentlichen S-Bahn haben ihr Fett abbekommen.
Auch wenn die Rede von Vincent Klink polemisch und dadurch durchaus Unterhaltungswert besaß, zeigte sie auch die ganze Bandbreite, die das Thema Ernährungspolitik mit sich bringt. Das wurde im Verlauf des Tages deutlich.

Weitere Vorträge am Vormittag beschäftigten sich mit Themen über die Auswirkungen der Betriebsgröße auf die Tierhaltung und das Tierwohl, gehalten von Dr. Rupert Ebner (Tierarzt, Slow Food Deutschland) und die Auswirkungen der Landbewirtschaftung auf die Wasserqualität, gehalten von Christa Hecht (Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e.V.).

In der Mittagspause ging es dann mit Kochtöpfen ausgestattet zu einer Kundgebung auf den Schlossplatz, um das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Kochtöpfe dienten als Trommeln für ein Kochtopforchester.

Anschließend ging es wieder zurück zum Hospitalhof, wo die Initiativen „Bürgerinitiative gegen den gewerblichen 1000-Kühe-Stall in Ostrach-Hahnennest“ und das „Ellwanger Bündnis gegen Agrarfabriken“ über ihre Aktivitäten berichteten.
Gründe gegen 1000-Kühe-Ställe sind z.B. das Tierwohl, das darunter leidet, wie Dr. Rupert Ebner am Vormittag bestätigt hat. Auch steigen durch solch große Ställe die Pachten in der Umgebung, wodurch viele Kleinbauern ihren Hof nicht mehr halten können und dadurch ihre Existenzgrundlage verlieren. Zusätzlich steigt die Nitratbelastung der Gewässer, was Christa Hecht am Vormittag in ihrem Vortrag bestätigen konnte.

Als letzten Punkt der Tagung gab es eine Podiumsdiskussion mit Anna Wissmann (Koordinatorin für das Netzwerk der Ernährungsräte), Franz Häußler (AbL), Jonas Weber (SPD), Harald Ebner (Grüne) und Dr. Patrick Rapp (MdL, CDU).
Hier kam es zum Abschluss noch zu einem kleinen Ausbruch der Emotionen, da sich alle Politiker einig waren gegen 1000-Kühe-Ställe zu sein und für eine bessere Umverteilung der EU-Gelder für Landwirte, die Naturschutz betreiben. Das wurde von einigen Beteiligten als Lippenbekenntnisse angesehen, da entsprechende Beschlüsse vermisst werden.

Wer im Anschluss der Tagung noch nicht genug hatte, konnte länger bleiben und sich an einem Initiativtreffen für einen Ernährungsrat in Stuttgart beteiligen.

Bei einem Ernährungsrat, den schon verschiedene Städte haben, setzen sich Bürger zusammen und versuchen Konzepte zu erarbeiten wie die Ernährung in der jeweiligen Stadt nachhaltig und regional gestaltet werden kann. So soll z.B. ein Überblick geschaffen werden über regionale Nahrungsproduzenten, die dann mit potentiellen Abnehmern vernetzt werden sollen.

Leider war für diesen Teil des Tages nicht mehr allzu viel Zeit übrig aber die Teilnehmer beteiligten sich rege am Brainstorming zu Fragen wie, was bzw. wer wird für einen Ernährungsrat benötigt, oder was sind Aufgaben des Ernährungsrates?

Alles in allem war es ein erfolgreicher Tag mit interessanten Beiträgen und Gesprächen. Die Initiativgruppe für den Ernährungsrat hat sich vorgenommen jeden zweiten Montag im Monat zu tagen. Bei Interesse, kann gerne mit uns oder mit Slow Food Stuttgart Kontakt aufgenommen werden.

Erfahrungsbericht als PDF