06 Okt

Neues Konzept für Wagenhallen – Experimenteller Raum inmitten der Stadt

Das Wagenhallenareal im Norden soll Kreativquartier werden. Ein entsprechendes Konzept haben der Kunstverein und der Verein Stadtacker der Stadt vorgelegt.
 

Wagenhalle Transformation C1/C2 - Vorstellung Konzept für eine

Kunstverein Mitglieder Lonni Görlach, Clair Bötschi, Robin Bischoff und Sylvia Winkler (von li.) Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone©

 

Stuttgart – Das Wagenhallenareal und seine Freiflächen sollen ein nachhaltiges Kreativquartier für Kulturschaffende im neuen Rosensteinviertel werden. Ein entsprechendes Konzept haben der Kunstverein und der Verein Stadtacker jetzt dem Städtebau-Referat der Stadt vorgelegt. Nach Überzeugung der Initiatoren kann hier ein Stadtteil entstehen, in dem künftig erprobt wird, wie die Stadt von morgen aussehen soll und wie sich das Leben darin gestaltet. In der Broschüre „Transformation C1/C2“ plädieren die Initiatoren mit konkreten Beispielen dafür, bereits etablierte Strukturen weiterzuentwickeln. „Wir brauchen dringend mutige Räume, in denen wir neue Formen von Arbeiten, Wohnen und Kultur ausprobieren können“, sagte Robin Bischoff vom Kunstverein Wagenhalle am Dienstag bei der Vorstellung des Konzeptes. Dies sieht seinen Worten zufolge eine innovative Entwicklung des Areals vor und ist eine Alternative zu den Plänen einer Interimsoper auf diesem Gelände.

 

Lob für den Stadtacker

Die ursprünglich nur für die Dauer der Sanierung der Wagenhalle errichteten Container für die Kreativen auf der Brachfläche vor der Halle reichten heute von simplen Container-Anordnungen über Sonderbauten bis zu experimenteller Architektur. Für die Jury des Deutschen Städtebaupreises 2018 ist das vielfältig genutzte Areal zum „Impulsgeber und programmatischen Baustein“ für das zukünftige Rosensteinquartier geworden. Sie lobte die Entstehung von temporären Ateliers, Konzerträumen oder sozialen Einrichtungen, Kooperationen mit Fachfirmen oder Angebote für Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft.

Neben dem Erhalt der Freiflächen vor der Wagenhalle möchte die Künstlergemeinschaft die entstandene nachhaltige Gärtnerei erhalten. „Der Stadtacker ist das größte Urban-Gardening-Projekt der Landeshauptstadt und das einzige, welches mit Mutterboden arbeitet“, betonte Lonni Görlach, Vorstand des Vereins Stadtacker. „Stadtentwicklung darf nicht mehr auf Kosten von Biotopen und Naturräumen geschehen“, so Görlach weiter und verwies auf ein wissenschaftliches Projekt mit der TU München und den Aktiven des Stadtackers.

 

Container City erhalten

In die lebhafte Diskussion um das zukünftige Rosensteinviertel wollen die Akteure der Wagenhalle ihre jahrelangen Erfahrungen mit Stadtentwicklung auf informeller Ebene einbringen und ihr Areal als Sondernutzungsfläche für Kultur erhalten. Umso erfreuter waren sie, dass der Sieger des Internationalen Städtebau-Wettbewerbs die Container City erhalten und ein Kreativquartier etablieren will. Den Architekten gefiel, wie hier gewohnt, gearbeitet, produziert und getüftelt wird, wie flexibel und leicht die Bebauung ist und damit die Grenze zwischen öffentlich und privat neu definiert wird.

 

Nicht allein dem wirtschaftlichen Druck nachgeben

Ein nächster Schritt bei der Transformation zum urbanen Quartier ist für Bischoff die Internationale Bauausstellung IBA im Jahr 2027 auf diesem Gelände: „Die IBA ist ein geeignetes Instrument und eine große Chance für eine innovative Gestaltung und gesamtgesellschaftliche Nutzbarmachung des Areals.“

Görlach und Bischoff plädierten nachdrücklich dafür, nicht allein dem wirtschaftlichen Druck nachzugeben, sondern vielmehr das Gebiet für experimentelles Bauen offen zu halten und der Frage nachzugehen, wie ein lebendiges, gemischtes Quartier entsteht. Als nächsten Schritt sehen sie die Gründung eines gemeinnützigen Entwicklungsträgers sowie die Zusammenarbeit mit Partnern aus allen relevanten Bereichen der Gesellschaft.

 

Von Petra Häussermann 

Link Originalartikel

20 Mai

Presse – Kulturszene im Aufwind

Robin Bischoff vom Kunstverein Wagenhalle sieht gute Chancen für Kunstschaffende im Stuttgarter Norden. Als sachverständiger Berater saß er in der Jury des internationalen städtebaulichen Wettbewerbs fürs Rosenstein-Areal.

 

Als Sachverständiger saß Robin Bischoff in der Jury des internationalen Wettbewerbs fürs Rosenstein-Areal.
Foto: Eva Funke

 

Stuttgart – Robin Bischoff hat den Plan vom Rosenstein-Areal, der beim Architektenwettbewerb den ersten Preis geholt hat, in seinem Büro in der Container-City ausgebreitet: „Da, an der Wolframstraße, soll das Konzerthaus hin und an den Rand des Rosensteinparks der Neubau fürs Lindenmuseum. Der Lokschuppen ist für kulturelle Nutzung vorgesehen“, sagt der Geschäftsführer des Kunstvereins Wagenhalle und zeigt auf den Plan. Bischoff saß als sachverständiger Berater in der Jury. Was ihn an dem Entwurf freut: Die Container-City, in der die Künstler noch ihre Ateliers haben, ist in dem Entwurf als Experimentierfeld, als „Maker-City“, geplant. „Das wird ein interessantes Projekt für die Künstler und die Öffentlichkeit“, ist er überzeugt.

Die Container-City war von Anfang an als etwas Vorübergehendes gedacht. „Die Container kommen nach und nach weg. Dann kann dort ein Labor entstehen, von dem fürs gesamte Viertel und für die Internationale Bauausstellung Impulse für den Städtebau ausgehen. So etwas gibt es in keiner Stadt“, stellt Bischoff fest.

Mit der Weißenhofsiedlung, der Staatlichen Akademie der bildenden Künste und dem Theaterhaus in Feuerbach an der Grenze zu Stuttgart-Nord (/thema/Stuttgart-Nord), für dessen Erweiterungsbau noch dieses Jahr der Wettbewerb ausgeschrieben wird, dem Theater NORD und seinen kleineren Kultureinrichtungen rückt laut Bischoff der Norden immer mehr ins Blickfeld. „Die Wagenhalle und das Gelände drum herum sind das Gelenk, das die Kulturszene auch über Grenzen des Stadtbezirks Nord verbindet.“ Das Nordbahnhofviertel und der

Killesberg seien immer auseinander gefallen. Doch mittlerweile gibt es gute Verbindungen. Bischoff: „Viele Künstler in der Container-City haben an der Akademie studiert, und es gibt immer wieder gemeinsame Projekte.“ Auch die im Rosenstein-Areal geplante Kulturszene könne mit der im Osten zusammenwachsen. Die Verbindung zum Bezirk Mitte sei bereits durch die Stadtbibliothek geschaffen.

26 Mrz

Wir wollen Weide!

Wir wollen Weide!

Kennt ihr unsere Weide?
Wir würden sie gerne als Naturdenkmal anerkennen lassen. Allerdings ist die zuständige Behörde eher semi motiviert.

Mit Hilfe des Bürgerhaushaltes könnt ihr uns dabei helfen diesen wunderschönen Baum zu schützen. Der Countdown läuft noch bis zum 1.4.2019. Bitte helft uns diesen wunderbaren Baum für weitere Generationen zu sichern. Wer sie nicht kennt, kann gern selbst vorbei schauen. Am besten sonntags ab 15h, dann gibt es vielleicht auch eine kleine Führung 🙂

https://www.buergerhaushalt-stuttgart.de/vorschlag/51605

 

04 Dez

Veranstaltung – OPEN OPEN, 08.12.2019

OPEN OPEN am Samstag, den 8.12 ab 12 Uhr

Wir laden euch herzlich ein zum Open Open! einem Tag der offenen Ateliers im Kulturschutzgebiet der Container City des Kunstverein Wagenhalle. Aus aktuellem Anlass zur Diskussion um die Interimsoper (http://kunstverein-wagenhalle.de/flexible/) und der Belobigung mit dem deutschen Städtebaupreis (http://kunstverein-wagenhalle.de/news/deutscher-staedtebaupreis-2018/) wollen wir Euch unsere Container City nochmal vorstellen.

Am Samstag, den 8.12 ab 12 Uhr gehts los.

Hier unser Programm:

CONTAINER CITY
12 Uhr »Probesitzen«, Einwinterungsmatinee an der Brache, Bureau Baubotanik mit Ferl + Hertel und Florian Feisel
13 Uhr Powerpizza am Pizzaofen, Kooperation: rosensteinalm und Performance Electrics
14 Uhr Führung durch die Wagenhallenbaustelle, Michel Casertano, Atelier Brückner, Treffpunkt Halle
15 Uhr Führung durch die Container City des Kunstverein Wagenhalle e.V., Sylvia Winkler, Treffpunkt Infopoint
16 Uhr Vorstellung IBA School 2018, The Baukunst Dynamites, Sarah Behrens & Ina Westheiden, im Pylonia Turm
17 Uhr Katalogpräsentation rosensteinalm und Gesang von Eva Pisana
18 Uhr Auszüge aus dem neuen Stück »Dunkle Materie – Notizen zur Blindheit«, O-Team mit Rivkah Tenuiflora, im Pylonia Turm
19.30 Uhr Musikperformance in der Neuen Schachtel

ab 12 Uhr Offene Bar in der Neuen Schachtel, Moritz Finkbeiner; Anne Westermeyer und Vera Lempertz »Classic Car«
ab ca. 13Uhr Aktion am Container: Die Flöthers »Life in the streets ain’t easy« nähe Kunstvereinscontainer
ab ca. 15 Uhr Wir kochen Gemeinschaft, Commons Kitchen, Holzwerkstatt;
Secret Pleasures, studio umschichten
ab 16 Uhr Cirque & Performing Arts @ DUNDU.Space
ab ca. 20 Uhr Musikperformance am Dom, Thomas Putze

STADTACKER E.V.
14 – 17 Uhr Stockbrot, Glühwein und Punsch
15 – 16 Uhr Rosh L. Papenfoot, Konzert unter der Weide; Kinderüberraschung

MARKTPLATZ
Installation von Anne-Laure Franchette, »Archéologie du Chantier«, 2018

BRUNO
Infopoint mit Transformotor-Kunstvereinsausstellung und Studio Malta, Präsentation des »Städtebaupreis 2018« und der »Vision« des KVWH (für das Rosensteinquartier)

TAUT
Ausstellung mit Lisa Biedlingmaier, Peter Holl, Anna Ingerfurth und Etage

IM SCHWARZEN CONTAINER 1. STOCK
Wieseninvasion: Ausstellung mit Ruth Baumann, Renate Liebel, Pia Maria Martin, Stephan Köperl, Karin Sauerbier, Ragani Haas und Andreas Zeger

OFFENE ATELIERS
Stefan Rohrer, Kestutis Svirnelis, Domile Ragauskaite, DUNDU, Tilmann Eberwein, Wolfart Hähnel, Performance Electrics, Gabriela Oberkofler, studio umschichten, Oliver Köhler, Fahrräder für Afrika e.V., Ensemble Material Theater Stuttgart und andere

Container City des Kunstverein Wagenhalle
Innerer Nordbahnhof 1
70191 Stuttgart, U-Bahn Eckartshaldenweg
Deutschland

https://www.facebook.com/events/607396453042761/
www.kunstverein-wagenhalle.de

09 Nov

Presse – Ein überflüssiger Streit

Oper gegen Wagenhallen – Ein überflüssiger Streit
Gerne möchten wir mit euch den folgenden Artikel aus der Stuttgarter Zeitung teilen: 

 

Oper gegen Wagenhallen 

Ein überflüssiger Streit

Von Frank Rothfuß 
 

Was macht eine Stadt eigen, interessant, und lebenswert? Der fünfte H + M oder der zweite Primark? Eher nicht. Mit dieser Frage beschäftigt man sich derzeit im Kunstgebäude. Und wundert sich darüber, dass Stuttgart es schafft, zwei Hauptdarsteller des Kulturlebens aufeinanderzuhetzen.

Marco Trotta und Contain’t suchen eine neue Heimat. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Marco Trotta und Contain’t suchen eine neue Heimat.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart – Man kann schon mal was vergessen. Wo man etwa die Brille liegen gelassen hat oder das Handy und der Autoschlüssel nun schon wieder rumfahren. Aber kann man einfach einen Verein mit 400 Leuten vergessen? Doch, das geht. Die Stadt Stuttgart schafft das. Aber holen wir kurz aus. Die Oper muss saniert werden, seit langem sucht man ein Ausweichquartier. Der Akademiegarten war im Gespräch, da war der Umweltschutz vor. Das Katzenstift sollte weichen, da siegte der gesunde Menschenverstand. Das Paketpostamt war schon erwählt, der Umbau erwies sich aber als zu teuer. Nun kamen OB Fritz Kuhn und sein Suchtrupp auf die Idee, die Container des Kunstvereins vor den Wagenhallen durch die Oper zu ersetzen. Blöd nur, dass weder der Kunstverein noch die Gärtner von Stadtacker noch die Leute von Contain’t davon wussten. Die haben dort nämlich ihre Ateliers und Beete. Nun will man sich zum Gespräch treffen, „uns hat man aber vergessen einzuladen“, sagt Marco Trotta, Vorstand des Künstlervereins Contain’t. Das lässt sich beheben, man wird miteinander reden, aber es hinterlässt ein schales Gefühl. Weil es von wenig Wertschätzung und Verständnis zeugt. Und man hat so einen Konflikt geschaffen, der völlig unnötig ist. Plötzlich kämpfen Künstler gegen Künstler um Raum, dabei muss doch in einer Stadt, die was auf sich hält, Platz sein für beides: Oper und Containerstadt.

 

Was ist überhaupt Subkultur?

Subkultur ist ein furchtbares Wort. Sperrig und schwammig. Jeder versteht etwas anderes darunter. Für den einen ist es der Lieblingsclub, für den anderen die besagte Kunst oder die Wand mit Graffiti, das Nutzen alter Gemäuer oder eben auch das Gärtnern in der Stadt, neudeutsch Urban Gardening. All dem gemein ist, dass die Menschen sich den öffentlichen Raum wieder aneignen. Jahrzehntelang hat man die Stadt den Architekten, Stadtplanern und Politikern überlassen. Mit der Folge, dass der meiste Platz von Geschäftemachern für Büros und Einkaufszentren besetzt wurde. Was übrig blieb, schusterte man den Autos zu, auf dass sie fahren und parken können. Das ändert sich, die Menschen wollen mehr sein als nur Staffage, sie schaffen sich Räume an allen Autoritäten vorbei. Die Akteure der Subkultur marschieren dabei vorneweg. Sie entdecken Unorte, verwandeln sie in Clubs, Kneipen, Galerien und Gärten. Orte, an denen man gerne ist. Die Menschen machen einfach, sie probieren, sie testen. Und Beamte und Politiker hinken hinterher. Manchmal reagieren sie mit Phantomschmerzen ob der fehlenden Kontrolle – und sind dann doch begeistert. Und geben 30 Millionen Euro fürs Sanieren der Wagenhallen. Warum eigentlich? Da muss man Richard Florida fragen. Seit der Ökonom seine These von der „kreativen Klasse“ aufgestellt hat, welche die Städte gewinnen müssten, um eine Zukunft zu haben, ist Kultur jeglicher Art ein Standortfaktor. Nicht nur das. Die Hausbesetzer machen Kreuzberg sexy, die Autonomen der Roten Flora in Hamburg ziehen Touristen an, die Wagenhallen werten den Nordbahnhof auf. Der Stadtplaner David Harvey sagt, dass der Kapitalismus besonders jene Orte schätze und vereinnahme, die ihn kritisieren. Weil sie ihm etwas verleihen, was er nicht hat. Sie lassen ihn authentisch erscheinen. So hat die Stadt die Wagenhallen als „Zeitgenössisches in alten Mauern“, vermarktet, es gab eine Führung samt Sekt. Die Wagenhallen werden auch das Rosensteinviertel begehrter und damit teurer machen. Und wer den Österreichischen Platz aufwertet, wird dort Ähnliches bemerken. Gentrifizierung beginnt nicht erst mit dem Schickimicki­café, sondern mit der Punkkneipe.

 

Preisgekrönt und ausrangiert?

Damit setzt sich derzeit die Ausstellung Soft­powerpalace im Kunstgebäude am Schlossplatz auseinander. Es stellen sich Menschen aus Sofia, Lyon, Mailand, Barcelona mit ihren Ideen und Konzepten vor. Angela Palacios und Quim Packard von Fireplace erleben in Barcelona, wie die Touristen die Strukturen ihrer Heimatstadt zerlegen, aus Mietwohnungen Ferienwohnungen, aus Tante-Emma-Läden Shops mit Tourikram werden, aus einem Zuhause eine Kulisse wird. Raum ist dort ähnlich knapp wie hier. Davon wissen die Stuttgarter Vertreter zu berichten. Eben Marco Trotta und Weiny Fitui vom Künstlerkollektiv Jacob 17, auch entstanden einstmals in den alten, ausgemusterten Waggons am Nordbahnhof. Weil die Bahn nicht wusste, was sie damit während der Wartezeit auf Stuttgart 21 machen sollte, ließ man Künstler einziehen und gewähren. Das ist nun auch schon fast 20 Jahre her. „Die erste Generation aus den Waggons zog in die Wagenhallen und gründete den Kunstverein“, sagt Trotta, „die zweite Generation gründeten Contain’t und Jacob 17, die dritte Generation könnte in die Container einziehen.“ Wenn denn die jetzigen Nutzer zurück in die Wagenhallen ziehen. Doch war nicht ausgemacht, die Container dann abzuräumen? Und muss man sich nicht an Vereinbarungen halten? „Dort ist mehr entstanden als nur ein Ausweichquartier“, sagt Pablo Wendel vom Kunstverein. Nämlich preisgekröntes Bauen. Ausgezeichnet mit dem deutschen Städtebaupreis. Und womöglich bestens geeignet für die Internationale Bauaustellung 2027. „Wir wirken in die Nachbarschaft hinein mit unseren Projekten“, sagt Wendel, die Jugendlichen von nebenan schauen oft vorbei. „Unsere Arbeit prägt eine Stadt“, sagt Trotta. Weil sie originell ist, eigen, sich dem Ort anpasst. Contain’t war einst in Bad Cannstatt, musste Wohnungen weichen, ist nun Untermieter beim Kunstverein in den Containern. Trotta würde gerne bleiben, kann sich aber auch vorstellen, weiterzuziehen. Es sei ja der Zweck des Vereins, immer wieder anderswo tätig zu werden. Man habe etliche Orte für Oper geprüft, „vielleicht ist da ja was für uns dabei“. Das Paketpostamt kommt ihm in den Sinn, da gab es schon zig Anfragen, das Regierungspräsidium ließ sich bisher nicht erweichen. Dort vorbei führt auch ein altes Gleis. Viel Raum gleich neben dem Park, „das wäre ideal“. Ausnahmsweise wären die Künstler froh, dürften sie dorthin gelangen – aufs Abstellgleis.

Zum Artikel in der StZ

06 Nov

Hoher Besuch auf dem Stadtacker und Stadtacker zu Gast im Rathaus

Am letzten Samstag, 27.10.2018 kamen Staatssekretärin Petra Olschowski im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Brigitte Lösch MdL Bündnis 90/Die Grünen und Thekla Walker MdL Bündnis 90/Die Grünen im Kulturschutzgebiet vorbei, um die Container City des Kunstverein Wagenhalle e.V. und den Stadtacker Wagenhallen e.V. zu besichtigen. Wir konnten bei Performance Electrics sehen, wie mit Kunst Performances durch Solarenergie unser Containerdorf versorgt werden kann, wie die Fahrräder nach Afrika kommen, wie auf der Rosensteinalm das Landleben in die Stadt geholt, wie Stefan Rohrer dynamische Objekte aus Metall zaubert und wie der Stadtacker auch im heran nahenden Winter trotzdem, zumindest ideologisch, blüht!

Auch waren wir zu Gast im Rathaus am 29.10.2018 bei Herrn Bürgermeister Pätzold und Frau Ebling, Persönliche Referentin von OB Fritz Kuhn, mit einer kleinen Gruppe, um auch dort unseren Stadtacker vorzustellen.

Am 02.11.2018 überzeugte sich Herr Andreas G. Winter, Stadtrat und einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der Gemeinderatsfraktion der Grünen in Stuttgart, von unserem bunten Gemeinschaftsgarten im Nordbahnhofviertel.

Wir fühlen die Wertschätzung und wünschen uns, dass der Grundstein gelegt ist, gemeinsam mit Politik und dem Kunstverein Wagenhalle e.V. das pulsierende Kulturschutzgebiet, auch bei schwierigen Entscheidungen, für unsere Stadt als positives Beispiel der Kultur des Miteinanders gestalten zu können.

Foto: Petra Olschowski

24 Okt

Presse – STELLUNGNAHME DES STADTACKERS ZUR INTERIMSOPER AN DEN WAGENHALLEN – OFFENER BRIEF –

24. Oktober 2018
STELLUNGNAHME DES STADTACKERS ZUR INTERIMSOPER AN DEN WAGENHALLEN

– OFFENER BRIEF –

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kulturfreunde,

der Stuttgarter Zeitung vom 16.10.2018 haben wir entnommen, dass OB Fritz Kuhn den Bau der Interimsoper auf dem Gelände gegenüber des Kunstvereins Wagenhalle im Stuttgarter Norden favorisiert mit der Begründung hier ein „neues Kulturquartier kreieren” zu wollen. Was die städtische Task Force unter Leitung von OB Fritz Kuhn bei der Suche nach möglichen Standorten abhandengekommen zu sein scheint, ist, dass sich auf dem anvisierten Gelände bereits eine florierende, mehrfach preisgekrönte Subkultur über sechs Jahre entfaltet hat, die sie nun mit einem kurz-greifenden Ansatz unwiederbringlich zerstören würde.

Bei der benannten Subkultur im „Kulturschutzgebiet” handelt es sich einerseits um die Container-City, die noch im September mit dem renommierten Deutschen Städtebaupreis, aufgrund ihrer Eigenschaft, eine „Schnittstelle zwischen Ateliergemeinschaft und Stadtgesellschaft zu bilden”, ausgezeichnet worden ist und andererseits um den Stadtacker Wagenhallen e.V., der im vergangenen Jahr noch persönlich von OB Fritz Kuhn mit einem Preis des Stadtverschönerungsvereins gewürdigt wurde.

Der Stadtacker ist ein soziales, interkulturelles Gemeinschaftsgartenprojekt zur gärtnerischen Nutzung einer 2000m² großen einst ungenutzten Fläche im städtischen Raum. Er stellt dabei eine Begegnungsfläche für einen Querschnitt der Stuttgarter Stadtbevölkerung dar. Angefangen von Akademikern und Geflüchteten über junge Familien bis hin zu Rentnern, treffen sich hier verschiedene Bevölkerungsgruppen aus den unterschiedlichsten sozialen Hintergründen auf Augenhöhe. Für über 100 Stadtackernde ist er Experimentierfläche, der gemeinsam gestaltet, genutzt und erhalten wird. Dabei bleibt das Gelände ein frei zugänglicher öffentlicher Raum. Der Umgang mit der Natur und die nachhaltige Erzeugung von Nahrungsmitteln stehen im Vordergrund. Gleichzeitig wird dort täglich eine Kultur des Miteinanders, des Verständnis füreinander und der Toleranz gepflegt. Aus diesen Gründen wurde der Stadtacker im April 2018 von den Vereinten Nationen, als vorbildliches Projekt ausgezeichnet, welches die Themen „Biodiversität“ und „sozialer/gesellschaftlicher Zusammenhalt“ verbindet. 

Darüber hinaus ist das Soziotop Stadtacker eingebettet in ein gewachsenes Netzwerk von unterschiedlichen dort ansässigen Initiativen wie etwa dem Kunstverein Wagenhalle, Fahrräder für Afrika, der Demeter-Imkerei Summtgart oder Foodsharing und verzweigten Kooperationen zu öffentlichen Einrichtungen (z.B. Kita Rosenstein), womit sich das Gemeinschaftsprojekt tief in das multikulturelle Nordbahnhofviertel verwurzelt.

Der Gemeinschaft des Stadtackers ist es unerklärlich, dass die Stadt Stuttgart in einem intransparenten Entscheidungsprozess unbedarft eine nachhaltige, sozio-kulturelle und ökologische Subkultur einer Interimsnutzung opfert. Auch die erwähnte „gegenseitige kulturelle Befruchtung” ist in diesem Vorschlag nicht realisierbar, denn die gewachsene Subkultur vor den Wagenhallen müsste gleichzeitig weichen. Ärgerlich stimmt uns zudem, dass hier Subkultur gegen Hochkultur gegeneinander ausgespielt wird, anstatt beiden den notwendigen Raum zu geben und sie für das zu preisen, was sie sind.

Wir als Stadtacker sehen uns weiterhin als festen Bestandteil einer nachhaltigen, ökologischen und sozio-kulturellen Subkultur im Rosensteinquartier, z.B. im Rahmen der „Agenda Rosenstein“, und fordern deshalb entschieden einen sofortigen Stopp der Planung der Interimsoper auf dem Wagenhallengelände.

Ihr Stadtacker

>> offener Brief als PDF ansehen