06 Okt

Neues Konzept für Wagenhallen – Experimenteller Raum inmitten der Stadt

Das Wagenhallenareal im Norden soll Kreativquartier werden. Ein entsprechendes Konzept haben der Kunstverein und der Verein Stadtacker der Stadt vorgelegt.
 

Wagenhalle Transformation C1/C2 - Vorstellung Konzept für eine

Kunstverein Mitglieder Lonni Görlach, Clair Bötschi, Robin Bischoff und Sylvia Winkler (von li.) Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone©

 

Stuttgart – Das Wagenhallenareal und seine Freiflächen sollen ein nachhaltiges Kreativquartier für Kulturschaffende im neuen Rosensteinviertel werden. Ein entsprechendes Konzept haben der Kunstverein und der Verein Stadtacker jetzt dem Städtebau-Referat der Stadt vorgelegt. Nach Überzeugung der Initiatoren kann hier ein Stadtteil entstehen, in dem künftig erprobt wird, wie die Stadt von morgen aussehen soll und wie sich das Leben darin gestaltet. In der Broschüre „Transformation C1/C2“ plädieren die Initiatoren mit konkreten Beispielen dafür, bereits etablierte Strukturen weiterzuentwickeln. „Wir brauchen dringend mutige Räume, in denen wir neue Formen von Arbeiten, Wohnen und Kultur ausprobieren können“, sagte Robin Bischoff vom Kunstverein Wagenhalle am Dienstag bei der Vorstellung des Konzeptes. Dies sieht seinen Worten zufolge eine innovative Entwicklung des Areals vor und ist eine Alternative zu den Plänen einer Interimsoper auf diesem Gelände.

 

Lob für den Stadtacker

Die ursprünglich nur für die Dauer der Sanierung der Wagenhalle errichteten Container für die Kreativen auf der Brachfläche vor der Halle reichten heute von simplen Container-Anordnungen über Sonderbauten bis zu experimenteller Architektur. Für die Jury des Deutschen Städtebaupreises 2018 ist das vielfältig genutzte Areal zum „Impulsgeber und programmatischen Baustein“ für das zukünftige Rosensteinquartier geworden. Sie lobte die Entstehung von temporären Ateliers, Konzerträumen oder sozialen Einrichtungen, Kooperationen mit Fachfirmen oder Angebote für Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft.

Neben dem Erhalt der Freiflächen vor der Wagenhalle möchte die Künstlergemeinschaft die entstandene nachhaltige Gärtnerei erhalten. „Der Stadtacker ist das größte Urban-Gardening-Projekt der Landeshauptstadt und das einzige, welches mit Mutterboden arbeitet“, betonte Lonni Görlach, Vorstand des Vereins Stadtacker. „Stadtentwicklung darf nicht mehr auf Kosten von Biotopen und Naturräumen geschehen“, so Görlach weiter und verwies auf ein wissenschaftliches Projekt mit der TU München und den Aktiven des Stadtackers.

 

Container City erhalten

In die lebhafte Diskussion um das zukünftige Rosensteinviertel wollen die Akteure der Wagenhalle ihre jahrelangen Erfahrungen mit Stadtentwicklung auf informeller Ebene einbringen und ihr Areal als Sondernutzungsfläche für Kultur erhalten. Umso erfreuter waren sie, dass der Sieger des Internationalen Städtebau-Wettbewerbs die Container City erhalten und ein Kreativquartier etablieren will. Den Architekten gefiel, wie hier gewohnt, gearbeitet, produziert und getüftelt wird, wie flexibel und leicht die Bebauung ist und damit die Grenze zwischen öffentlich und privat neu definiert wird.

 

Nicht allein dem wirtschaftlichen Druck nachgeben

Ein nächster Schritt bei der Transformation zum urbanen Quartier ist für Bischoff die Internationale Bauausstellung IBA im Jahr 2027 auf diesem Gelände: „Die IBA ist ein geeignetes Instrument und eine große Chance für eine innovative Gestaltung und gesamtgesellschaftliche Nutzbarmachung des Areals.“

Görlach und Bischoff plädierten nachdrücklich dafür, nicht allein dem wirtschaftlichen Druck nachzugeben, sondern vielmehr das Gebiet für experimentelles Bauen offen zu halten und der Frage nachzugehen, wie ein lebendiges, gemischtes Quartier entsteht. Als nächsten Schritt sehen sie die Gründung eines gemeinnützigen Entwicklungsträgers sowie die Zusammenarbeit mit Partnern aus allen relevanten Bereichen der Gesellschaft.

 

Von Petra Häussermann 

Link Originalartikel

22 Mai

Unterschriftenaktion – Das Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“ Baden-Württemberg braucht Unterstützung!

Hallo Liebe Freunde und Freundinnen, Mitgärtnerinnen und Mitgärtner des Stadtackers

Das Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“ Baden-Württemberg braucht unsere und Eure Unterstützung (10 000 Unterschriften)

In Bayern wurde das Volksbegehren Artenschutz eins zu eins als Gesetzestext übernommen. Unsere Freunde vom freien Institut für ökologische Bienenhaltung, proBiene, haben am 19. Mai ihrerseits ein Volksbegehren für die Umsetzung im baden-württembergischen Landtag gestartet.
Das Motto lautet, wie in Bayern, „Rettet die Bienen“ und hat den Arten-, bzw. Bienenschutz zum Ziel.

Wir als Stadtacker Wagenhallen unterstützen das Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“ und rufen alle unsere Freunde und Freundinnen zur Unterstützung auf.

Damit es zum Volksbegehren kommt, muss dieses erfolgreich beantragt werden. Dafür werden 10000 (zehntausend) Unterschriften von Baden-WürttembergerInnen benötigt und das möglichst bald.

Hier der Link zum Formblatt zur Unterstützung des Antrages:

https://volksbegehren-artenschutz.de/wp-content/uploads/2019/05/Formblatt-Unterschrift_190522.pdf  (Es müssen beide(!) Seiten des Formblatts ausgedruckt, ausgefüllt und an die Initiatoren geschickt werden)

Die Forderungen des Volksbegehrens sind:
– 50 Prozent Bio-Landwirtschaft auf baden-württembergischen Agrarflächen
– Verbot von Pestiziden in Naturschutzgebieten
– Halbierung der mit Pestiziden belasteten Flächen in Baden-Württemberg
– Schutz der Streuobstwiesen

Hier der Link zur Homepage des Volksbegehrens:
https://volksbegehren-artenschutz.de/

Wunderschöne Tage und auf ein mindestens so erfolgreiches Volksbegehren wie in Bayern,
Euer Stadtacker Wagenhallen

20 Mai

Presse – Kulturszene im Aufwind

Robin Bischoff vom Kunstverein Wagenhalle sieht gute Chancen für Kunstschaffende im Stuttgarter Norden. Als sachverständiger Berater saß er in der Jury des internationalen städtebaulichen Wettbewerbs fürs Rosenstein-Areal.

 

Als Sachverständiger saß Robin Bischoff in der Jury des internationalen Wettbewerbs fürs Rosenstein-Areal.
Foto: Eva Funke

 

Stuttgart – Robin Bischoff hat den Plan vom Rosenstein-Areal, der beim Architektenwettbewerb den ersten Preis geholt hat, in seinem Büro in der Container-City ausgebreitet: „Da, an der Wolframstraße, soll das Konzerthaus hin und an den Rand des Rosensteinparks der Neubau fürs Lindenmuseum. Der Lokschuppen ist für kulturelle Nutzung vorgesehen“, sagt der Geschäftsführer des Kunstvereins Wagenhalle und zeigt auf den Plan. Bischoff saß als sachverständiger Berater in der Jury. Was ihn an dem Entwurf freut: Die Container-City, in der die Künstler noch ihre Ateliers haben, ist in dem Entwurf als Experimentierfeld, als „Maker-City“, geplant. „Das wird ein interessantes Projekt für die Künstler und die Öffentlichkeit“, ist er überzeugt.

Die Container-City war von Anfang an als etwas Vorübergehendes gedacht. „Die Container kommen nach und nach weg. Dann kann dort ein Labor entstehen, von dem fürs gesamte Viertel und für die Internationale Bauausstellung Impulse für den Städtebau ausgehen. So etwas gibt es in keiner Stadt“, stellt Bischoff fest.

Mit der Weißenhofsiedlung, der Staatlichen Akademie der bildenden Künste und dem Theaterhaus in Feuerbach an der Grenze zu Stuttgart-Nord (/thema/Stuttgart-Nord), für dessen Erweiterungsbau noch dieses Jahr der Wettbewerb ausgeschrieben wird, dem Theater NORD und seinen kleineren Kultureinrichtungen rückt laut Bischoff der Norden immer mehr ins Blickfeld. „Die Wagenhalle und das Gelände drum herum sind das Gelenk, das die Kulturszene auch über Grenzen des Stadtbezirks Nord verbindet.“ Das Nordbahnhofviertel und der

Killesberg seien immer auseinander gefallen. Doch mittlerweile gibt es gute Verbindungen. Bischoff: „Viele Künstler in der Container-City haben an der Akademie studiert, und es gibt immer wieder gemeinsame Projekte.“ Auch die im Rosenstein-Areal geplante Kulturszene könne mit der im Osten zusammenwachsen. Die Verbindung zum Bezirk Mitte sei bereits durch die Stadtbibliothek geschaffen.

30 Jan

Erfahrungsbericht – Tagung Good Food Good Farming und Initiativtreffen zur Gründung eines Ernährungsrates in Stuttgart

Erfahrungsbericht über die Tagung Good Food Good Farming und dem Initiativtreffen zur Gründung eines Ernährungsrates in Stuttgart

Darf’s noch etwas mehr sein oder ist es auch mal genug?

Unter diesem Motto fand am 27.10.2018 eine Tagung im Hospitalhof in Stuttgart im Rahmen des europäischen Aktionstages „Good Food Good Farming“ statt.

Organisiert wurde die Tagung von Slow Food Stuttgart und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Angefangen wurde mit einem Rundumschlag von Vincent Klink, dem Betreiber der Wielandshöhe und seinem Plädoyer für eine neue Ernährungskultur.

Ausgeteilt wurde gegen die 10.000 Lobbyisten, die in Brüssel täglich die Politik im Sinne der Konzerne beeinflussen aber auch die frustriert dreinschauenden Fahrgäste in einer morgentlichen S-Bahn haben ihr Fett abbekommen.
Auch wenn die Rede von Vincent Klink polemisch und dadurch durchaus Unterhaltungswert besaß, zeigte sie auch die ganze Bandbreite, die das Thema Ernährungspolitik mit sich bringt. Das wurde im Verlauf des Tages deutlich.

Weitere Vorträge am Vormittag beschäftigten sich mit Themen über die Auswirkungen der Betriebsgröße auf die Tierhaltung und das Tierwohl, gehalten von Dr. Rupert Ebner (Tierarzt, Slow Food Deutschland) und die Auswirkungen der Landbewirtschaftung auf die Wasserqualität, gehalten von Christa Hecht (Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e.V.).

In der Mittagspause ging es dann mit Kochtöpfen ausgestattet zu einer Kundgebung auf den Schlossplatz, um das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Kochtöpfe dienten als Trommeln für ein Kochtopforchester.

Anschließend ging es wieder zurück zum Hospitalhof, wo die Initiativen „Bürgerinitiative gegen den gewerblichen 1000-Kühe-Stall in Ostrach-Hahnennest“ und das „Ellwanger Bündnis gegen Agrarfabriken“ über ihre Aktivitäten berichteten.
Gründe gegen 1000-Kühe-Ställe sind z.B. das Tierwohl, das darunter leidet, wie Dr. Rupert Ebner am Vormittag bestätigt hat. Auch steigen durch solch große Ställe die Pachten in der Umgebung, wodurch viele Kleinbauern ihren Hof nicht mehr halten können und dadurch ihre Existenzgrundlage verlieren. Zusätzlich steigt die Nitratbelastung der Gewässer, was Christa Hecht am Vormittag in ihrem Vortrag bestätigen konnte.

Als letzten Punkt der Tagung gab es eine Podiumsdiskussion mit Anna Wissmann (Koordinatorin für das Netzwerk der Ernährungsräte), Franz Häußler (AbL), Jonas Weber (SPD), Harald Ebner (Grüne) und Dr. Patrick Rapp (MdL, CDU).
Hier kam es zum Abschluss noch zu einem kleinen Ausbruch der Emotionen, da sich alle Politiker einig waren gegen 1000-Kühe-Ställe zu sein und für eine bessere Umverteilung der EU-Gelder für Landwirte, die Naturschutz betreiben. Das wurde von einigen Beteiligten als Lippenbekenntnisse angesehen, da entsprechende Beschlüsse vermisst werden.

Wer im Anschluss der Tagung noch nicht genug hatte, konnte länger bleiben und sich an einem Initiativtreffen für einen Ernährungsrat in Stuttgart beteiligen.

Bei einem Ernährungsrat, den schon verschiedene Städte haben, setzen sich Bürger zusammen und versuchen Konzepte zu erarbeiten wie die Ernährung in der jeweiligen Stadt nachhaltig und regional gestaltet werden kann. So soll z.B. ein Überblick geschaffen werden über regionale Nahrungsproduzenten, die dann mit potentiellen Abnehmern vernetzt werden sollen.

Leider war für diesen Teil des Tages nicht mehr allzu viel Zeit übrig aber die Teilnehmer beteiligten sich rege am Brainstorming zu Fragen wie, was bzw. wer wird für einen Ernährungsrat benötigt, oder was sind Aufgaben des Ernährungsrates?

Alles in allem war es ein erfolgreicher Tag mit interessanten Beiträgen und Gesprächen. Die Initiativgruppe für den Ernährungsrat hat sich vorgenommen jeden zweiten Montag im Monat zu tagen. Bei Interesse, kann gerne mit uns oder mit Slow Food Stuttgart Kontakt aufgenommen werden.

Erfahrungsbericht als PDF

04 Dez

Veranstaltung – OPEN OPEN, 08.12.2019

OPEN OPEN am Samstag, den 8.12 ab 12 Uhr

Wir laden euch herzlich ein zum Open Open! einem Tag der offenen Ateliers im Kulturschutzgebiet der Container City des Kunstverein Wagenhalle. Aus aktuellem Anlass zur Diskussion um die Interimsoper (http://kunstverein-wagenhalle.de/flexible/) und der Belobigung mit dem deutschen Städtebaupreis (http://kunstverein-wagenhalle.de/news/deutscher-staedtebaupreis-2018/) wollen wir Euch unsere Container City nochmal vorstellen.

Am Samstag, den 8.12 ab 12 Uhr gehts los.

Hier unser Programm:

CONTAINER CITY
12 Uhr »Probesitzen«, Einwinterungsmatinee an der Brache, Bureau Baubotanik mit Ferl + Hertel und Florian Feisel
13 Uhr Powerpizza am Pizzaofen, Kooperation: rosensteinalm und Performance Electrics
14 Uhr Führung durch die Wagenhallenbaustelle, Michel Casertano, Atelier Brückner, Treffpunkt Halle
15 Uhr Führung durch die Container City des Kunstverein Wagenhalle e.V., Sylvia Winkler, Treffpunkt Infopoint
16 Uhr Vorstellung IBA School 2018, The Baukunst Dynamites, Sarah Behrens & Ina Westheiden, im Pylonia Turm
17 Uhr Katalogpräsentation rosensteinalm und Gesang von Eva Pisana
18 Uhr Auszüge aus dem neuen Stück »Dunkle Materie – Notizen zur Blindheit«, O-Team mit Rivkah Tenuiflora, im Pylonia Turm
19.30 Uhr Musikperformance in der Neuen Schachtel

ab 12 Uhr Offene Bar in der Neuen Schachtel, Moritz Finkbeiner; Anne Westermeyer und Vera Lempertz »Classic Car«
ab ca. 13Uhr Aktion am Container: Die Flöthers »Life in the streets ain’t easy« nähe Kunstvereinscontainer
ab ca. 15 Uhr Wir kochen Gemeinschaft, Commons Kitchen, Holzwerkstatt;
Secret Pleasures, studio umschichten
ab 16 Uhr Cirque & Performing Arts @ DUNDU.Space
ab ca. 20 Uhr Musikperformance am Dom, Thomas Putze

STADTACKER E.V.
14 – 17 Uhr Stockbrot, Glühwein und Punsch
15 – 16 Uhr Rosh L. Papenfoot, Konzert unter der Weide; Kinderüberraschung

MARKTPLATZ
Installation von Anne-Laure Franchette, »Archéologie du Chantier«, 2018

BRUNO
Infopoint mit Transformotor-Kunstvereinsausstellung und Studio Malta, Präsentation des »Städtebaupreis 2018« und der »Vision« des KVWH (für das Rosensteinquartier)

TAUT
Ausstellung mit Lisa Biedlingmaier, Peter Holl, Anna Ingerfurth und Etage

IM SCHWARZEN CONTAINER 1. STOCK
Wieseninvasion: Ausstellung mit Ruth Baumann, Renate Liebel, Pia Maria Martin, Stephan Köperl, Karin Sauerbier, Ragani Haas und Andreas Zeger

OFFENE ATELIERS
Stefan Rohrer, Kestutis Svirnelis, Domile Ragauskaite, DUNDU, Tilmann Eberwein, Wolfart Hähnel, Performance Electrics, Gabriela Oberkofler, studio umschichten, Oliver Köhler, Fahrräder für Afrika e.V., Ensemble Material Theater Stuttgart und andere

Container City des Kunstverein Wagenhalle
Innerer Nordbahnhof 1
70191 Stuttgart, U-Bahn Eckartshaldenweg
Deutschland

https://www.facebook.com/events/607396453042761/
www.kunstverein-wagenhalle.de

09 Nov

Presse – Ein überflüssiger Streit

Oper gegen Wagenhallen – Ein überflüssiger Streit
Gerne möchten wir mit euch den folgenden Artikel aus der Stuttgarter Zeitung teilen: 

 

Oper gegen Wagenhallen 

Ein überflüssiger Streit

Von Frank Rothfuß 
 

Was macht eine Stadt eigen, interessant, und lebenswert? Der fünfte H + M oder der zweite Primark? Eher nicht. Mit dieser Frage beschäftigt man sich derzeit im Kunstgebäude. Und wundert sich darüber, dass Stuttgart es schafft, zwei Hauptdarsteller des Kulturlebens aufeinanderzuhetzen.

Marco Trotta und Contain’t suchen eine neue Heimat. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Marco Trotta und Contain’t suchen eine neue Heimat.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart – Man kann schon mal was vergessen. Wo man etwa die Brille liegen gelassen hat oder das Handy und der Autoschlüssel nun schon wieder rumfahren. Aber kann man einfach einen Verein mit 400 Leuten vergessen? Doch, das geht. Die Stadt Stuttgart schafft das. Aber holen wir kurz aus. Die Oper muss saniert werden, seit langem sucht man ein Ausweichquartier. Der Akademiegarten war im Gespräch, da war der Umweltschutz vor. Das Katzenstift sollte weichen, da siegte der gesunde Menschenverstand. Das Paketpostamt war schon erwählt, der Umbau erwies sich aber als zu teuer. Nun kamen OB Fritz Kuhn und sein Suchtrupp auf die Idee, die Container des Kunstvereins vor den Wagenhallen durch die Oper zu ersetzen. Blöd nur, dass weder der Kunstverein noch die Gärtner von Stadtacker noch die Leute von Contain’t davon wussten. Die haben dort nämlich ihre Ateliers und Beete. Nun will man sich zum Gespräch treffen, „uns hat man aber vergessen einzuladen“, sagt Marco Trotta, Vorstand des Künstlervereins Contain’t. Das lässt sich beheben, man wird miteinander reden, aber es hinterlässt ein schales Gefühl. Weil es von wenig Wertschätzung und Verständnis zeugt. Und man hat so einen Konflikt geschaffen, der völlig unnötig ist. Plötzlich kämpfen Künstler gegen Künstler um Raum, dabei muss doch in einer Stadt, die was auf sich hält, Platz sein für beides: Oper und Containerstadt.

 

Was ist überhaupt Subkultur?

Subkultur ist ein furchtbares Wort. Sperrig und schwammig. Jeder versteht etwas anderes darunter. Für den einen ist es der Lieblingsclub, für den anderen die besagte Kunst oder die Wand mit Graffiti, das Nutzen alter Gemäuer oder eben auch das Gärtnern in der Stadt, neudeutsch Urban Gardening. All dem gemein ist, dass die Menschen sich den öffentlichen Raum wieder aneignen. Jahrzehntelang hat man die Stadt den Architekten, Stadtplanern und Politikern überlassen. Mit der Folge, dass der meiste Platz von Geschäftemachern für Büros und Einkaufszentren besetzt wurde. Was übrig blieb, schusterte man den Autos zu, auf dass sie fahren und parken können. Das ändert sich, die Menschen wollen mehr sein als nur Staffage, sie schaffen sich Räume an allen Autoritäten vorbei. Die Akteure der Subkultur marschieren dabei vorneweg. Sie entdecken Unorte, verwandeln sie in Clubs, Kneipen, Galerien und Gärten. Orte, an denen man gerne ist. Die Menschen machen einfach, sie probieren, sie testen. Und Beamte und Politiker hinken hinterher. Manchmal reagieren sie mit Phantomschmerzen ob der fehlenden Kontrolle – und sind dann doch begeistert. Und geben 30 Millionen Euro fürs Sanieren der Wagenhallen. Warum eigentlich? Da muss man Richard Florida fragen. Seit der Ökonom seine These von der „kreativen Klasse“ aufgestellt hat, welche die Städte gewinnen müssten, um eine Zukunft zu haben, ist Kultur jeglicher Art ein Standortfaktor. Nicht nur das. Die Hausbesetzer machen Kreuzberg sexy, die Autonomen der Roten Flora in Hamburg ziehen Touristen an, die Wagenhallen werten den Nordbahnhof auf. Der Stadtplaner David Harvey sagt, dass der Kapitalismus besonders jene Orte schätze und vereinnahme, die ihn kritisieren. Weil sie ihm etwas verleihen, was er nicht hat. Sie lassen ihn authentisch erscheinen. So hat die Stadt die Wagenhallen als „Zeitgenössisches in alten Mauern“, vermarktet, es gab eine Führung samt Sekt. Die Wagenhallen werden auch das Rosensteinviertel begehrter und damit teurer machen. Und wer den Österreichischen Platz aufwertet, wird dort Ähnliches bemerken. Gentrifizierung beginnt nicht erst mit dem Schickimicki­café, sondern mit der Punkkneipe.

 

Preisgekrönt und ausrangiert?

Damit setzt sich derzeit die Ausstellung Soft­powerpalace im Kunstgebäude am Schlossplatz auseinander. Es stellen sich Menschen aus Sofia, Lyon, Mailand, Barcelona mit ihren Ideen und Konzepten vor. Angela Palacios und Quim Packard von Fireplace erleben in Barcelona, wie die Touristen die Strukturen ihrer Heimatstadt zerlegen, aus Mietwohnungen Ferienwohnungen, aus Tante-Emma-Läden Shops mit Tourikram werden, aus einem Zuhause eine Kulisse wird. Raum ist dort ähnlich knapp wie hier. Davon wissen die Stuttgarter Vertreter zu berichten. Eben Marco Trotta und Weiny Fitui vom Künstlerkollektiv Jacob 17, auch entstanden einstmals in den alten, ausgemusterten Waggons am Nordbahnhof. Weil die Bahn nicht wusste, was sie damit während der Wartezeit auf Stuttgart 21 machen sollte, ließ man Künstler einziehen und gewähren. Das ist nun auch schon fast 20 Jahre her. „Die erste Generation aus den Waggons zog in die Wagenhallen und gründete den Kunstverein“, sagt Trotta, „die zweite Generation gründeten Contain’t und Jacob 17, die dritte Generation könnte in die Container einziehen.“ Wenn denn die jetzigen Nutzer zurück in die Wagenhallen ziehen. Doch war nicht ausgemacht, die Container dann abzuräumen? Und muss man sich nicht an Vereinbarungen halten? „Dort ist mehr entstanden als nur ein Ausweichquartier“, sagt Pablo Wendel vom Kunstverein. Nämlich preisgekröntes Bauen. Ausgezeichnet mit dem deutschen Städtebaupreis. Und womöglich bestens geeignet für die Internationale Bauaustellung 2027. „Wir wirken in die Nachbarschaft hinein mit unseren Projekten“, sagt Wendel, die Jugendlichen von nebenan schauen oft vorbei. „Unsere Arbeit prägt eine Stadt“, sagt Trotta. Weil sie originell ist, eigen, sich dem Ort anpasst. Contain’t war einst in Bad Cannstatt, musste Wohnungen weichen, ist nun Untermieter beim Kunstverein in den Containern. Trotta würde gerne bleiben, kann sich aber auch vorstellen, weiterzuziehen. Es sei ja der Zweck des Vereins, immer wieder anderswo tätig zu werden. Man habe etliche Orte für Oper geprüft, „vielleicht ist da ja was für uns dabei“. Das Paketpostamt kommt ihm in den Sinn, da gab es schon zig Anfragen, das Regierungspräsidium ließ sich bisher nicht erweichen. Dort vorbei führt auch ein altes Gleis. Viel Raum gleich neben dem Park, „das wäre ideal“. Ausnahmsweise wären die Künstler froh, dürften sie dorthin gelangen – aufs Abstellgleis.

Zum Artikel in der StZ

06 Nov

Hoher Besuch auf dem Stadtacker und Stadtacker zu Gast im Rathaus

Am letzten Samstag, 27.10.2018 kamen Staatssekretärin Petra Olschowski im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Brigitte Lösch MdL Bündnis 90/Die Grünen und Thekla Walker MdL Bündnis 90/Die Grünen im Kulturschutzgebiet vorbei, um die Container City des Kunstverein Wagenhalle e.V. und den Stadtacker Wagenhallen e.V. zu besichtigen. Wir konnten bei Performance Electrics sehen, wie mit Kunst Performances durch Solarenergie unser Containerdorf versorgt werden kann, wie die Fahrräder nach Afrika kommen, wie auf der Rosensteinalm das Landleben in die Stadt geholt, wie Stefan Rohrer dynamische Objekte aus Metall zaubert und wie der Stadtacker auch im heran nahenden Winter trotzdem, zumindest ideologisch, blüht!

Auch waren wir zu Gast im Rathaus am 29.10.2018 bei Herrn Bürgermeister Pätzold und Frau Ebling, Persönliche Referentin von OB Fritz Kuhn, mit einer kleinen Gruppe, um auch dort unseren Stadtacker vorzustellen.

Am 02.11.2018 überzeugte sich Herr Andreas G. Winter, Stadtrat und einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der Gemeinderatsfraktion der Grünen in Stuttgart, von unserem bunten Gemeinschaftsgarten im Nordbahnhofviertel.

Wir fühlen die Wertschätzung und wünschen uns, dass der Grundstein gelegt ist, gemeinsam mit Politik und dem Kunstverein Wagenhalle e.V. das pulsierende Kulturschutzgebiet, auch bei schwierigen Entscheidungen, für unsere Stadt als positives Beispiel der Kultur des Miteinanders gestalten zu können.

Foto: Petra Olschowski